Archives for posts with tag: dubstep

Raver sind im Prinzip personifizierte YouTube-Kommentare: manisch-übertrieben, dreist und fast immer amüsant. Als wäre “Caps Lock” eine Lebenseinstellung. Unter der Einwirkung von Partydubstep und Bassbrettern versuchen Raver sogar noch eine Schippe draufzulegen. Dann ziehen sie sich komplett in ihrer Lieblingsfarbe LSD an, flippen ein bisschen Etilefrin und hyperventilieren eine Nacht lang zu ihren Lieblingssongs. Was in diesem bunten Treiben die zwei Alten verloren haben, weiß nur der Knecht, der gezwungen wurde, dem Video auf Biegen und Brechen eine Liebesgeschichte aufzuhalsen. Denn Liebe ist hier ja offensichtlich das große Thema. Granny-Sex hat aber nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Fetischismus, da es die Vorstufe von Nekrophilie (illegal!) ist. Auch Ruskos Socken sind eher Liebestöter, aber das dürfte den Groupies im Zweifelsfall auch egal sein. Ja, Rusko hat Groupies. Selbst Chewbacca hat Groupies. Nur Blogger haben keine Groupies -ob mit oder ohne Socken.

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In der Dezember Augabe des Magazins monopol beschäftigt sich ein Essay mit Retromanie, also dem exzessiven Bedienen am Gewesenen in Kunst und Kultur. Ab und zu bekommt man beim Lesen einen reingedrückt, wie z.B. Trouvaillen, Eklektizismus oder apokryphe Untersekten. Das soll einen daran erinnern, dass die Generation vor uns etwas mehr auf dem Kasten hat was Sprache angeht und wir die Hälfte des Universums nicht verstehen, weil wir gar nicht die Wörter kennen, um sie zu erklären. Ansonsten ist der Text aber nachvollziebar: Das digitale Zeitalter macht alles verfügbar, das Verlangen nach einer klaren Ästethik und die Flucht vor dem Neuen, weil es schwieriger ist. An einer Stelle wird die Retromanie als Look beschrieben, nachdem wir uns sehnen wie nach den engen Gassen einer alteuropäischen Kleinstadt. Wenn man sich das neue Video von Nero anguckt, kommt das hin. Wir, die wir in den 80ern im Kindergarten Mittagsschlaf machen mussten, wollen das Gleiche wie unsere Eltern, auch wenn wir weniger Fremdwörter kennen; ein bisschen Miami Vice in unserem Leben. Und zwar nicht die Jamie Foxx/ Colin Farrel-Version, sondern die mit den Roulette-Tischen, weißen Tigern und bonbonfarbenden Bikinis. Dafür schmeissen wir ja auch Dubstep in den Topf und verzichten aufs Koks (zu teuer).

Als Electro vor ein paar Jahren seinen Popularitätshöhepunkt hatte, dachte man alles wäre gesagt zum Thema Ausflippen. Dann kam Dubstep um die Ecke und spätestens jetzt wußte man, was der Typ in Spinal Tap mit “one louder” meint. Heftiger geht immer. Stellt man sich Dubstep als Partygast vor, wäre es jemand, der einem sturzbetrunken um den Hals fällt und dann einen Faustschlag verpasst, nur um danach lachend zusammenzubrechen und ne Runde zu kotzen. Klar, warum diese Musik in England soviele Fans hat. Das Königreich bringt allerdings auch die brutalsten Acts in dem Genre hervor. Die Londoner 16bit halten z.B immer mit Dauerfeuer drauf und ballern sich durch die heimischen Clubs als wär jeden Tag Armageddon. Irgendein sympathischer Zeitgenosse hat das aktuelle Werk der Dubstepper nun kongenial als Video umgesetzt, obwohl seine Themenfindung nicht als sonderlich kreativ gelten kann. Die Würdigung von Dinosauriern in Form von Dubstep war aber auf jeden Fall mehr als überfällig.