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Wer Tanzvideos machen kann, sollte das auch tun. Nichts entfaltet mehr ein Gefühl transzendentaler Perfektion, als die Eintracht aus rhythmischer Bewegung und Musik. Umso feiner die Szenen auf den Klang choreografiert sind, desto umschmeichelter fühlen sich die Sinne von dieser Symbiose. Als würde Mutti einem um halb acht die Bettdecke über den Kopf ziehen und flüstern, dass man heute ausschlafen darf. Doch sollte man sich in diesem Fall nicht zu sehr einlullen, denn das Video, mit dem wie es hier zu tun haben, ist Alptraumstoff. Tim Burton-Fans wird das freuen, zarte Gemüter könnten leicht befremdet reagieren. Verzapfer Daniel Savio ist aber ohnehin ein engagierter Verfechter des Unkonventionellen, so gilt er als Begründer des skandinavischen Skweee, einem Synthesiser-lastigem 8-bit Sound nach dem Minimalprinzip. Trotz musikalischer Sparsamkeit entfaltet die Nummer aber ordentlich Drama und macht mehr Bock auf das Album, welches auch weniger düster daherkommt und stellenweise sogar an den dollen Siriusmo erinnert.

Puh, ziemlich viel Input. Als hätte jemand 5 Videos übereinandergelegt und dann durch eine Playstation gejagt. Zu verarbeiten gilt es u.a. eine Hommage an legendäre Nachtclubs, wie den New Yorker Housetempel Paradise Garage oder Manchesters The Haçienda, einen Textdialog aus dem Videospiel Final Fantasy VII, sehr oft das Wort Ecstasy und Farben wie aus einer Regenbogenorgie. Jetzt weiß man wenigstens wie ADHS aussieht. Trotzdem: aus dem Video einen tieferen Sinn zu extrahieren, überlasse ich Menschen, die sich mit Drogen besser auskennen. Der Track hypnotisiert allerdings auf sehr entspannte Weise und entkrampft so definitiv die Gesamtsituation -abgesehen von dem völligen Nervenzusammenbruch ab 2:35. Insgesamt ist das den Play-Klick auf jeden Fall wert, aber man fragt sich schon, was für Grenzerfahrungen man durchleben muss, um solche Videos kreieren zu können.

In einer gerechten Welt macht man mit solchen Songs Frauen klar. Aber wer bei der Nummer auf die Tanzfläche steppt um “Booty” abzugreifen, könnte genauso gut aus dem Gesicht bluten -die meisten Damen würden einen großen Bogen machen. Die Nummer ist so zuckersüß, dass man selbst mit Testosteronwerten eines geschlechtsreifen Bisons nicht den Player raushängen lassen kann. Dafür kann Leno Lovecraft aber nichts. Schuld ist unser gehemmter Umgang mit Kunst, die keinen Bock hat, stylish und deep und heterosexuell zu sein. Für so manchen ist es ein Problem, wenn die Musik nicht dem eigenen Image zuspielt, sondern eher klingt, wie der Soundtrack zu einer Sailor Moon Party. Dass das ganze auch noch so aussieht, verdanken wir, neben Leno selbt, an erster Stelle Simon Ward, u.a. dem Schöpfer des Videos von Gravity Rainbow -ein Meilenstein in der Geschichte entfesselter Psychosen. Da haben sich schon zwei Supernasen gefunden, hoffentlich geht da noch was.

Provokation ist ein langweiliges Thema, da sie meist sehr berechnend eingesetzt wird. Wenige schaffen es Reizthemen subtil zu behandeln und so Gedankenprozesse auszulösen- die meisten hauen einfach drauf und freuen sich dann über sich selbst und ihr rücksichtsloses Agitieren. Gelassene bzw. verrohte Menschen können da nur mit den Schultern zucken. Dementsprechend lahm ist auch dieses Video geworden. Kinderpornographie soll hier der Skandal sein. Verbockt hat das natürlich Gaspar Noé, Regisseur drastischer Strapazen wie Irreversible oder Enter the Void (ich bin kein Fan). Jetzt also ein Video darüber, wie R. Kelly sich seine Nachmittage so vorstellt und wenn es einen nicht krass aufregt, gibt es nicht viel zu gucken, außer nem kleinen Aufmersamkeitsjunkie, deren Mutti wahrscheinlich schon Nacktfotos auf Internetforen stellt, um mehr Buzz klarzumachen. Schon doof, weil SebastiAn und Mayer Hawthorne zwei großartige Künstler sind, die eine ganz andere Art von Aufmerksamkeit für diesen fetten Song verdient hätten.

Da singt doch ein Mann! Oder? Wozu bewegt die Magerprinzessin dann ihre Lippen? Ist die Transgender-Technologie derart fortgeschritten? Wahrscheinlicher ist, dass Madame die Storyline (?) zusammenhalten und den obligatorischen Sexappeal beisteuern soll, was ja wohl nen Scherz ist. Der wahre Induce zeigt sich gar nicht erst. Kann man verstehen. Gigamesh höchstpersönlich hätte sich seinen Auftritt im Debütvideo aber auch mal schön sparen können. Der unterkühlte DJ, der mit seinen 20 besten Freunden die Party rockt, um danach Zuhause ein paar Hits mit Keyboard und Haustier einzuspielen? Man muss Klischees ja nicht verteufeln, aber das hier reitet die Welle echt zu hart; die ersten paar Sekunden denkt man das ist ein Werbespot für Billo-Wodka. Verarschung ist auch die “Band”. Haben sie die Disco Boys dafür gecastet? Damit man nichts falsch versteht, Gigamesh ist einer der derbsten Produzenten im NuDisco, aber das Video liefert Bilder, die der Song fast nicht mehr wegkriegt und als Gesamtkunstwerk lässt sich das so nicht genießen. Egal, trotzdem alles von ihm kaufen, vor allem wenn man DJ ist -sein Zeug brennt alles nieder!

In der YouTube-Beschreibung steht, dass Christian Fritzenwanker für das Make-Up zuständig war. Ok. Das wär geklärt. Ansonsten lässt das Video keine Fragen offen. Wir nehmen zur Kenntnis, dass Tanzen und dabei Knorke aussehen, Nina Kraviz nicht wirklich herausfordert- dürfte niemanden schockieren. Für Leute die auf die Musik nicht so stehen, bedeutet es, dass sie im Hintergrund auch ein anderen Song laufen lassen und dabei trotzdem sehr schönen Frauen beim Verrenken zuschauen können, was für Männer ohnehin Motiv Nr. 1 ist, sich überhaupt Musikvideos reinzuziehen. Sozusagen als Methadon für Pornos. Leute, die hingegen sehr wohl was mit der Musik anfangen können, sind die wahren Gewinner. Der Song setzt auf Ninas nonchalantes Gesäusel in der bekannten Kombi mit OldSchool-Housebeats und hat insgesamt ein bisschen was von langweiligem Sex, ohne das abwertend zu meinen. Vielleicht war die Kleine auch selbst ein wenig gelangweilt, denn bei 2:51 sieht es so aus als würde sie auf ihre Armbanduhr gucken. Wozu man während so einem Videodreh überhaupt eine Uhr braucht, wäre dann wohl doch eine Frage, die Nina uns schuldig bleibt.

Cineastische Meisterwerke in 3D sind bis jetzt selten. Sicherlich macht Pixar/Disney gute Sachen und es gibt wahrscheinlich einen Haufen an animierten Kurzfilmen, die Kritiker in Tonnen von Lorbeeren betten, aber der ganz große Coup war noch nicht dabei. Das Projekt um LOL Boys und Hot City wird daran nicht viel ändern können, auch wenn es hier sehr ambitioniert zugeht -fette Grafik, krasser Soundtrack, derbste Choreografien. Jedoch lässt das Werk auf den zweiten Blick Originalität vermissen. Mit dem azurblauen Lada Nova durch SimCity düsen und den behinderten Cousin vom Road Runner aus dem Winterschlaf aufzuscheuchen ist zwar ein klassisches Motiv im Drama, wird hier aber derart runtergebrochen erzählt, dass einem schlichtweg der Spannungsbogen ab geht. Ok, hier ist diesmal Road Runner der Verfolger, doch dieser Kniff macht es trotzdem nicht aufregender. Was bleibt ist die Gewissheit, dass Acid und Phantasie zusammengehen wie Pommes und Kindergeburtstage -hilft, ist aber auch ganz schön chaotisch.

Dieses Video ist so voll mit Ehepartner-Material, es ist kaum zu fassen. Lauter Jackpots! Einem Großteil dieser Partypioniere dürften mittlerweile lukrative Nachtclubs und/oder T-Shirt Labels gehören. Manche kochen bestimmt auch Drogen auf Ibiza und verkaufen die ausschliesslich an sich selbst. Wie gern würde ich die Leute heute durch einen Computertomographen schicken- deren Gehirn sieht wahrscheinlich aus wie Spongebob. Trotzdem sind das Helden. Die erste Generation von Ravern waren die Hippies der Nintendo-Neuzeit, sie haben uns von Zwängen und unnötigen Kleidungsstücken befreit (naja…) und Red Bull erst zu dem Weltkonzern gemacht, der er heute ist. Noch am Beginn seiner Heldenkarriere steht Light Year, der früher eher die Electro-Sparte versorgte, aber dem der deepere Style auf jeden Fall steht. Außerdem ist er der einzige Produzent und DJ, der sich nach einem astronomischen Längenmaß benannt hat, wofür ihm jeder erdenkliche Respekt gebührt. Dass er seine Initialen mit Handzeichen formen kann, gibt dann nochmal Bonuspunkte.

Ok, Aztekentempel und nackte Frauen…geschenkt, die Aufgabe war Psychedelic/ Prog Rock. Aber Supercomputer und Bergkristalle pushen die Symbolik doch ein wenig zu sehr in Richtung Mindfuck. Auf der anderen Seite bekommen wir ein waschechtes Panflöten-Solo vorgesetzt –Justice meinen es also ernst, das hier soll der ganz epische Kram sein, so wie ungefähr das Cover von Rainbow. Doch lohnt sich das Salutieren? Haben sie das Zeug zu Rockikonen? Gaspard Augé sieht immerhin so aus, als wäre er während einer Motörhead-Tournee gezeugt worden, der andere erinnert mehr an einen jungen Michael Jackson, der beschloß Raucher und Mod zu werden. Aber die Looks sind nicht alles. Lyrisch hat der Song auf jeden Fall die nötige esoterische Tiefe um ordentlich Deutungsspielraum zu schaffen, ist nur die Frage wer sein Gehirn groß für sowas anschmeissen will. Ansonsten wird hier musikalisch nichts kaputt gemacht, aber eine Bewusstseinserweiterung ist es auch nicht gerade -obwohl…hängt vom vorhandenen Bewusstsein ab.

Raver sind im Prinzip personifizierte YouTube-Kommentare: manisch-übertrieben, dreist und fast immer amüsant. Als wäre “Caps Lock” eine Lebenseinstellung. Unter der Einwirkung von Partydubstep und Bassbrettern versuchen Raver sogar noch eine Schippe draufzulegen. Dann ziehen sie sich komplett in ihrer Lieblingsfarbe LSD an, flippen ein bisschen Etilefrin und hyperventilieren eine Nacht lang zu ihren Lieblingssongs. Was in diesem bunten Treiben die zwei Alten verloren haben, weiß nur der Knecht, der gezwungen wurde, dem Video auf Biegen und Brechen eine Liebesgeschichte aufzuhalsen. Denn Liebe ist hier ja offensichtlich das große Thema. Granny-Sex hat aber nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Fetischismus, da es die Vorstufe von Nekrophilie (illegal!) ist. Auch Ruskos Socken sind eher Liebestöter, aber das dürfte den Groupies im Zweifelsfall auch egal sein. Ja, Rusko hat Groupies. Selbst Chewbacca hat Groupies. Nur Blogger haben keine Groupies -ob mit oder ohne Socken.