In der Dezember Augabe des Magazins monopol beschäftigt sich ein Essay mit Retromanie, also dem exzessiven Bedienen am Gewesenen in Kunst und Kultur. Ab und zu bekommt man beim Lesen einen reingedrückt, wie z.B. Trouvaillen, Eklektizismus oder apokryphe Untersekten. Das soll einen daran erinnern, dass die Generation vor uns etwas mehr auf dem Kasten hat was Sprache angeht und wir die Hälfte des Universums nicht verstehen, weil wir gar nicht die Wörter kennen, um sie zu erklären. Ansonsten ist der Text aber nachvollziebar: Das digitale Zeitalter macht alles verfügbar, das Verlangen nach einer klaren Ästethik und die Flucht vor dem Neuen, weil es schwieriger ist. An einer Stelle wird die Retromanie als Look beschrieben, nachdem wir uns sehnen wie nach den engen Gassen einer alteuropäischen Kleinstadt. Wenn man sich das neue Video von Nero anguckt, kommt das hin. Wir, die wir in den 80ern im Kindergarten Mittagsschlaf machen mussten, wollen das Gleiche wie unsere Eltern, auch wenn wir weniger Fremdwörter kennen; ein bisschen Miami Vice in unserem Leben. Und zwar nicht die Jamie Foxx/ Colin Farrel-Version, sondern die mit den Roulette-Tischen, weißen Tigern und bonbonfarbenden Bikinis. Dafür schmeissen wir ja auch Dubstep in den Topf und verzichten aufs Koks (zu teuer).

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