Deutsche Feuilletons versagen komplett, wenn es um das Kulturphänomen Cyber geht. Da trauen sich die Herren Journalisten nicht ran. Und das, obwohl diese Szene, kulturell gesehen, der größte anzunehmende Mindfuck seit langem ist. Das Wort Cyber klingt nach trashigen Science-Fiction-Serien aus den 90ern, in denen Cops mit Laserwummen Kriminelle im begehbaren Hyperspace jagen…ach ja, TekWar hieß die. Cyber als Jugendbewegung, greift dieses Thema in einem modischen Kontext auf und kombiniert es mit Technomusik. Das Resultat ist so etwas wie die ultimative Zukunftsvision: Tanzende Drogendealer, die aus einer Zeit kommen, in der Geschlechter, Grünflächen sowie Pastellfarben endgültig abgeschafft wurden. Viele nennen die Akteure dieser Szene vorschnell Rave-Goths, was sich die Rave-Goths aber strengstens verbieten. Doch Namen hin oder her; wieviel kulturelle Sprengkraft hat diese Bewegung wirklich? Und hat Sunnyboy Panteros666 sie mit seinem neuen Video nicht vielleicht schon auf die Schlachtbank der Kommerzialisierung geschnürt -und damit den Untergang eingeleitet? Aus der Sicht der Hersteller von synthetischen Dreadlocks und Gasmasken, darf die Antwort nur nein lauten.

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