Wenn man mit den neuen Emporkömmlingen des amerikanischen HipHops, wie OFWGKTA oder Danny Brown konfrontiert wird, stellen sich, nachdem man den Mund wieder geschlossen hat, mehrere Fragen. Was ist bei uns los? Was machen die Kinder hier mit ihrer Freizeit? Übt in diesem Land noch jemand das Rappen? Also so richtig üben? Damit man ein guter Rapper wird und nicht aus Versehen Kay One? Mit Sicherheit hat die Heimat von Goethe und Schiller noch große Wortakrobaten in Petto, aber die Dringlichkeit, die Attitüde und die Gewalt des rohen Raps haben sich hierzulande, zumindest einer breiteren Öffentlichkeit, länger nicht bemerkbar gemacht. Stattdessen findet Gewalt nur im Drumherum statt, im Image, in der Pose, nicht in Inhalt oder im Stil. Die Attitüde ist oft nur pure Berechnung und die Dringlichkeit wird stets für die nächste Single angekündigt. Azealia Banks ist dagegen wie ein Pferdetritt ins Gesicht; schnell, wuchtig und einen Eindruck hinterlassend, der einen erstmal beschäftigt. Es ist kein Hype zu behaupten, dass die 19-jährige die bekanntesten Female-MCs von MC Lyte über Lil Kim bis Missy Elliot, was Flow und Biss angeht, locker in den Schatten stellt. Vielmehr muss man sich fragen, welcher männliche Rapper momentan da mithalten kann. Das Video zu 212 macht alles richtig, da es sich auf die fesselnde Performance von Azealia konzentriert. Die einzig anderen Protagonisten sind, der hier schon gefeierte Lunice und der genauso tolle Jacques Greene. Der Clip ist also besser als jede Zauberkugel, denn die Drei sind wirklich die Zukunft.

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